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XXVIII Woche im Jahreskreis – Sonntag

Jesus Christus ist die echte Weisheit  

Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: […] Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber […] ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: […] Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber […] sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Mk 10,17-27

Vor einigen Jahrzehnten veröffentlichte Giorgio Torelli ein Buch namens „Er, der reich war“, das ich in einem Zug in einer Nacht las. Es erzählt die Geschichte von Marcello Candia, ein Industrieller aus Mailand, der von beschäftigtem Unternehmer auf einmal sich entschied, seine Firma zu verkaufen und mit dem Ertrag ein Leprakrankenhaus in Amazonas zu bauen. Nach einigen Jahren hatten wir die Gelegenheit, persönlich ihn zuzuhören, als er in Saronno einen Vortrag hielt, um seine Geschichte und sein neues Leben zu erzählen. Er war ein glücklicher, befriedigter Mann, dass er alles, was er hatte, verkauft und den Armen den Ertrag gegeben hatte.

Jetzt begegnen wir dieser Seite des Evangeliums und die Figur eines reichen aber unruhigen Manns, dell alles, was er hat, füllt sein Herz nicht. Jesus wird dann von seiner Unruhe zu Mitleiden bewegt und empfehlt ihm, dasselbe zu tun, was Herr Candia nach zweitausend Jahren tun würde. Wenn der Mensch geschaffen wurde, um glücklich zu sein, fragen wir uns am Licht dieser zwei Ereignisse, was die echte Weisheit sei und wo sie liege. Wir müssen schließen, dass sie liegt in der Fähigkeit, zu geben und sich zu geben. Das scheint das Geheimnis der Glückseligkeit, das den höchsten Gipfel mit Jesus Christus erreicht, der zur Rettung der Welt sein Leben sogar am Kreuz geopfert hat.

Paulus sagt: „Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1Kor 1, 22-24). Es gibt tatsächlich eine Weisheit, die im großen Buch der Natur glänzt; es gibt eine, die von der Kultur und der Wissenschaft kommt; es gibt die Weisheit, die im Laufe der Geschichte liegt, an der die Heilige Schrift sehr reich ist; aber keine von ihnen füllt völlig das Herz des Menschen. Die echte Weisheit häng nicht vom Wissen, Verstehen und Besitzen ab, sondern sie ist jene, die Jesus Christus uns gezeigt hat, indem er sich durch die Offenbarungen, die Wunder und am Kreuz gegeben hat: Er ist „Gottes Weisheit“.

Aber uns, Menschen des Neuen Testaments, die in der Zeit der Kirche leben, wo ist die Quelle der Weisheit? Sie liegt bei dem Heiligen Geist und seiner endlosen Fähigkeit, das Geheimnis Christus in der Geschichte, in der Heiligen Schrift zu offenbaren. Der Weise ist der geistliche Mensch: Wenn aber man von der Weisheit zur Glückseligkeit übergehen will, verbergt sich das Geheimnis noch heute in der Fähigkeit, zu geben und sich zu geben, wie Gott in jedem Moment durch die Person des Heiligen Geists tut.

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