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XXV Woche im Jahreskreis – Freitag

Wer ist mir der Herr?

Und es geschah, als er [einmal] für sich allein betete, dass die Jünger in seiner Nähe waren; und er fragte sie und sprach: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten und sprachen: Für Johannes den Täufer; andere aber für Elia; und andere [sagen], einer der alten Propheten sei auferstanden. Da sprach er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Petrus und sprach: Für den Christus Gottes! Er aber ermahnte sie ernstlich und gebot ihnen, dies niemand zu sagen, indem er sprach: Der Sohn des Menschen muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den obersten Priestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferweckt werden. Lk 9,18-22

Das Ereignis der Stelle von heute kann man in allen drei synoptischen Evangelien, denn es ist eine Grundetappe des Glaubenswegs. Wir haben über es schon in den Evangelien von Markus und Matthäus nachgedacht, und heute schlägt die Liturgie es uns als im Evangelium von Lukas wieder vor. Bis jetzt sind immer die Jünger und die Menge gewesen, sich zu fragen, wer Jesus von Nazaret wäre, und er hat immer sie selbst antworten lassen. In der Stelle passiert es etwas ganz verschiedenes, das die Umwälzung jedes Christen in der Geschichte der Kirche vorwegnimmt und prophezeit. Auf einmal die Frage, die Jesus in Frage stellt, schweigt, und er selbst fragt: „Für wen halten mich die Leute?“ und später „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“. Die Leute geben immer, wie in der Stelle von heute, eine Antwort „nach dem Fleisch“, indem sie in der Vergangenheit suchen: Johannes den Täufer, Elija, oder einen anderen Propheten. Nachdem er die verschiedensten Antworte gefunden hat, findet der Jünger endlich eine Antwort „nach dem Geist“, die nicht aus den vergangenen Kenntnis und Erfahrung kommt, sondern aus seiner künftigen Hoffnung, aus dem neuen Leben, das in die Geschichte eingebrochen ist. Es ist die Antwort von Petrus: „[Du bist der] Christus Gottes!“ Solange wir Antworten suchen, indem wir unsere Bildung, unsere Fähigkeit, die Gleichnisse tief zu verstehen und den Wundern eine menschliche Erklärung zu finden, verwenden, ist es, als ob wir ihn wieder kreuzigen, um ihn unter den Toten wieder zu entfernen. Die Menschen können das sehr gut machen: Sie verzieren die Graben, sie verschönern die Erinnerungen und das ist alles. Die Antwort „nach dem Geist“ bezieht sich auf nichts schon gekanntes und erfahrenes. Sie muss mit einem „Aber“ beginnen: „Aber wer ist mir Jesus Christus?“, „Aber ist dieser Vorschlag nach dem Geist des Evangeliums?“, „Aber entspricht das, was ich tue, seinem Plan für mich?“, „Aber wie würde er sich mit diesem Menschen, der vor mir ist, aufführen?“, „Aber habe ich heute mit jemandem über den Herrn geredet?“. Dieses „Aber“ gehört der Kirche jedesmal, wenn sie sich gegen Gesetze und Gewohnheiten sperrt, die den Geist des Evangeliums nicht spiegeln.

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