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XX Woche im Jahreskreis – Mittwoch

Die Arbeit und der richtige Lohn

Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! […] Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? […] Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war,[…] kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, […] auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, […] hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Mt 20,1-16

Als ich jung war, sprach man in meinem Dorf im Land von Toskana nur über die Weinlese, nach und nach dass ihre Zeit näher wurde. Wenn die Ernte der Trauben begann, war es dann ganz ein Fest; man schwitzte und arbeitete mit Freude unter der noch warmen Sonne der letzte Reste des Sommers. Am Mittag kam die Hausfrau mit den Korbflaschen frischer Wein, Brot, Geschirr und Pfannen mit der kurz gekochten Speise; alles wurde auf einem von den Ochsen geschliffenen Wagen. Die Arbeit der Weinlese wurde unterbrochen und wir gingen unter den Schatten der Bäume und aßen, jeder nach seinem Bedarf und nicht danach, wie lange er arbeitet hatte. Ich erinnere mich an jene Tage mit Sehnsucht, denn in meinem Leben habe ich nicht mehr eine so frohe Mitarbeitsweise. Leider, erleben wir die Arbeit nur als Moment von Mühe, ohne Möglichkeit von Freude. Und wenn die Freude verloren wird, beginnt man abzuwägen, wer mehr und wer weniger arbeitet hat, und man vergleicht den Lohn und das Verdienst, ohne die Talente, die jeder bekommt hat, und die Bedürfnisse, die jeder hat, zu beachten. Von jeher werden die Löhne durch das Verdienstkriterium geregelt, und auch in der Zeit Jesu es so war, aber es gibt einen tragischen Aspekt, den dieses Gleichnis zum Vorschein bringt: Die Welt bedenkt keine verteilenden Kriterien als die Leistungsfähigkeit.

Es ist wahr, dass in den entwickelten Länder der Aspekt der Bedürfnisse durch den sozialen Ausgleich und das Volontariat nochmals durchgedacht wird, aber so wird die Gesellschaft in Gewinnenden und Verlierenden unterteilt, denjenigen, die ernährt werden, und denjenigen, die die anderen ernähren. Das sind die negativen Folgen dieses Zustands: Stolz, übertriebenes Selbstbewusstsein und Allmachtgefühl einerseits; Depression, Erniedrigung und Opportunismus anderseits. Aber wehe, das Verdienstkriterium zu verändern: Das ganze Wirtschafts- und Produktionssystem würde in die Luft gehen. Das Himmelreichs wirkt aber nicht so, und der Beweis davon ist, dass der einzige, der das Paradies garantiert hatte, auch bevor zu sterben, der gute Verbrecher war, einer, der im letzten Augenblick konvertiert.

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