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II Woche im Advent – Dienstag

Gott und der Mensch in der Bibel  

Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet – amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht. Mt 18,12-14

Steig auf einen hohen Berg, / Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, / Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! / Sag den Städten in Juda: / Seht, da ist euer Gott. Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht, /  er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: / Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her. Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, /  er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, / die Mutterschafe führt er behutsam. Jes 40,9-11

„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“. Dieses Zitat vom deutschen Philosophen Immanuel Kant ist vielleicht der höchste Gipfel, wohin die Untersuchung des menschlichen Denkens angekommen ist. Um weiter zu sehen, braucht man die Augen des Glauben. Das ist das einzige Mittel, das erlaubt es, in der Geschichte das Herz Gottes zu begreifen, der immer auf der Suche nach dem Menschen wie der Schäfer in der Parabel des verlorenen Schafes ist. Diese Parabel fasst den Sinn der ganzen Heilungsgeschichte zusammen. Seit der Zeit der Erbsünde sucht Gott den Menschen, um ihn wieder ins irdische Paradies zu führen, wie der Schäfer das verlorene Schaf sucht. Vor mehr als vier tausend Jahren rief Gott einen Mann, Abraham, mit dem die Menschheit eine neue Geschichte begonnen hat, die dann jene seiner Familie und im Laufe der Jahrhunderte jene des Volks Israel geworden ist. Um dieses Volk zu bauen rief Gott einen anderen Mann, Mose. Als zwei tausend Jahr später Gott dachte, dass die Zeit der Geschichte rief war, sandte er uns seinen eigenen Sohn, der Mensch als Jesus von Nazaret wurde, der die Heilung allen Völkern durch die Kirche gegeben hat.

Im Laufe dieser Geschichte hat Gott sich Schritt für Schritt immer mehr bekannt lassen, solange er in Jesus Christus sich ganz erklärt hat. Man kann diese stetige Offenbarung wahrnehmen, wenn man daran denkt, wie die Konzeption von Gott im Menschen von der Zeit Abrahams bis zum Neuen Testament sich entwickelt hat. Indem man die Heilige Schrift liest, scheint es, dass Gott im Laufe der Heilungsgeschichte sich entwickelt hat. Tatsächlich ist es die Kenntnis von Gott in den Menschen, die sich vermehrt hat. Was in der Geschichte der Weg Gottes scheint, das ist eigentlich der Weg des Menschen, der sich in Gott wie in einem Spiegel spiegelt. Die Kenntnis von Gott in den Menschen findet ihren Gipfel in Jesus Christus, der uns drei Wahrheiten offenbart hat, die wir allein nie wahrgenommen hätten: Gott ist Vater, Liebe und Vergebung. Dieser Wahrheiten bewusst zu werden heißt, von Gott wiedergefunden und in den Schafstall wieder geführt zu werden, wie der gute Schäfer in der Parabel von heute das verlorene Schaf da wieder führt.

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