DEFS177

XXII Woche im Jahreskreis – Sonntag

Das Hören ist Sanftmütigkeit und Demut

Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden und du wirst mehr geliebt werden als einer, der Gaben verteilt. Je größer du bist, umso mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott. Viele sind die Stolzen und Übermütigen, aber den Sanftmütigen offenbart Gott seine Geheimnisse. Denn groß ist die Macht Gottes und von den Demütigen wird er verherrlicht. Für die Wunde des Übermütigen gibt es keine Heilung, denn ein giftiges Kraut hat in ihm seine Wurzeln. Ein weises Herz versteht die Sinnsprüche [der Weisen], ein aufmerksames Ohr ist der Wunsch des Weisen.   Sir 3,17-20.28-29

Für die Überlegung von heute beginnen wir mit diesem Vers: „Ein weises Herz versteht die Sinnsprüche, ein aufmerksames Ohr ist der Wunsch des Weisen“. Es gibt so eine Beziehung zwischen dem Hören und der Weisheit, und es gibt eine andere zwischen der Weisheit und das Lesen der Gleichnisse, wenn man als Gleichnisse nicht nur jene versteht, die das Evangelium erzählt, denn auch die Heilsgeschichte ist ein langes und großes Gleichnis. Wenn man alle diese Begriffe zu einem zusammenfasst, kann man behaupten, dass der Weise ist derjenige, der hört, aber durch das Hören wird er weis nur in einer symbolischen Lebensanschauung. Der Theologe Karl Barth behauptet denselben Begriff mit dem Satz: „Die Bibel in einer Hand, die Zeitung in der anderen“.

In diesen täglichen Überlegungen beziehen wir uns besonders auf die Evangelien, wo die universellen Wahrheiten weniger verdünnt und direkter zu verstehen sind. Es geht um die wahren Gleichnisse und Ereignisse des Evangeliums, die wie und besser als die Gleichnisse das Leiden und die Auferstehung Jesu Christi, die Wunder, die Bergenpredigt, die Himmelfahrt und das Pfingsten darstellen. Die Gleichnisse verkünden absolute Wahrheiten, indem sie bewegende Geschichte erzählen, deren konkrete Symbolik der Leser ergreifen muss. Sie erklären die Wahrheit nicht, aber sie stellen uns mitten in sie und wir müssen uns darin orientieren, um zu verstehen, wo wir sind, und um den Weg nach Hause wiederzufinden: Das bedeutet, die Wahrheit der Gleichnisse in unsere konkrete Wirklichkeiten zu senken.

Die Sprache, um geistliche Wahrheiten durch sichtbare Wirklichkeiten zu erklären, wird dadurch möglich gemacht, dass gründlich es eine Beziehung zwischen „Welt“ und „Himmelsreich“, zwischen „menschlicher Geschichte“ und „Heilsgeschichte“ gibt. Diese Beziehungen, die durch das Prinzip der Kommunizierenden Röhren wirken, erlauben das Verhältnis zwischen der Bibel und der Zeitung und machen die Gleichnisse ein wunderbares Lesemittel der geistlichen Wahrheiten. Mein Freund Sergio, der immer auf der Suche nach dem Glauben ist, sagte mir einen Tag: „Du weiß, ich habe begonnen, das Mysterium des Leidens und der Auferstehung zu ergründen, indem ich über das Gleichnis des Weizenkorn, der im Boden sterben muss, damit er zahlreiche Früchte bringen kann, nachgedacht hat“.

Wenn diese Begriffe festgestellt sind, können wir dann die ersten Verse der Stelle von heute verstehen. Der erste empfehlt: „Je größer du bist, umso mehr bescheide dich“. Am höchsten ist die Demut das Hörensverhalten für die Menschen, die Ereignisse, die Gleichnisse und das Wort Gottes im allgemein. Der zweite behauptet: „Viele sind die Stolzen und Übermütigen, aber den Sanftmütigen offenbart Gott seine Geheimnisse“. Das heißt, Gott offenbart seine Geheimnisse denen, die nicht denken, dass sie die Wahrheit besitzen, aber die die Sanftmütigkeit und die Demut haben, sie im Wort Gottes und besonders in den Gleichnissen zu suchen. Und der Anreiz, uns in dieses Lesen zu vertiefen, wird uns Tag für Tag von der Notwendigkeit geboten, beide die in der Zeitung wiedergegebenen und die in unserem Alltag erlebten Ereignisse zu verstehen.

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