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XX Woche im Jahreskreis – Samstag

Gedenken an einen christlichen Politiker

Dann sprach Jesus zu der Menschenmenge und zu seinen Jüngern: »Die Schriftgelehrten und Pharisäer sitzen als Ausleger der Schrift auf dem Stuhl von Mose. Deshalb haltet euch an das, was sie euch sagen, aber folgt nicht ihrem Beispiel. Denn sie handeln nicht nach dem, was sie euch lehren. Sie knebeln euch mit unerfüllbaren religiösen Forderungen und tun nicht das Geringste, um euch die Last zu erleichtern. Alles, was sie tun, tun sie nur nach außen hin. ….  Und wie sie es lieben, bei Festessen am Kopfende des Tisches auf dem Ehrenplatz zu sitzen und in der Synagoge auf den besten Plätzen!  Sie genießen die Beachtung, die ihnen auf der Straße zuteil wird. Besonders gern mögen sie es, wenn man sie mit ‚Rabbi‘ anredet. Lasst euch niemals ‚Rabbi‘ nennen.  ….Lasst euch auch nicht ‚Lehrer‘ nennen, denn es gibt nur einen Lehrer, und das ist der Christus. Der Größte unter euch muss den anderen dienen. Mt 23,1-11

Es scheint uns, dass das Evangelium von heute aus dem Buch „La Casta“ (die Kaste) kommt, das kürzlich von den Journalisten Stella und Rizzo veröffentlicht wurde, um den Verfall des italienischen politischen Milieus zu anzuzeigen. Es ist ein Buch, das die Korruption, die Zurschaustellung, die Privilegien und die Intrigen vieler unserer Politiker zum Vorschein gebracht hat, ebenso wie ein teuflisch ausgedachte Wahlsystem, um die dauernde Wiederwahl aller Mitglieder der Kaste, ausgenommen, dass die Kaste sich entscheiden würde, dass eines nicht mehr an ihr teilnehmen muss, da es zu verschieden ist. Das passierte auch uns, wenn wir versuchten, in die Politik einzusteigen, um in öffentlichen Dienst die Familien- und Berufserfahrungen zu stellen, die wir im Laufe der Jahren gehabt hatten. Wenn wir uns den Ereignissen und den Weisen nach gewisser Zeit überlegen, wie wir dazu behindert worden sind, müssen wir sagen, dass der Herr hat uns geschützt, denn, aufgrund der Lage, wir hätten die Beiträge, die wir mitbringen können hätten, teuer bezahlt. In der Nachkriegszeit, als das italienische politische Milieu gesunder war, haben wir zusammen mit Alcide De Gasperi christliche Politiker gehabt, die großen Antrieb zum wirtschaftlichen und moralischen Wiederaufbau Italiens gegeben. Wir gedenken eines, indem wir in den Schriftstücken von Vater Cipriano Ricotti nachschlagen: Giorgio La Pira, Dozenten an der Universität zu Florenz. Le Pira war der wenigsten politische aller, und deswegen hat er mehr als die anderen im politischen Milieu der Nachkriegszeit gelitten. „Ich muss behaupten – schrieb La Pira im Jahr 1948 – dass das Dominikanerkloster von Heiligem Markus in Florenz mein einziges Haus auf der Erde ist, und die Zelle 6 meine einzige Zelle auf der Erde ist“. Ein kommunistischer Senator schrieb: „La Pira kleidet sich wie ein armer Mann, er lebt wie die Arbeiter, hält nichts seines Lohns für sich“. „Es tut mir Leid“ sagte La Pira einem Mann, der ihn nach Hilfe fragte. „Ich habe nie Abgeordnete oder Bürgermeister sein wollen – schrieb La Pira 1954 – Ich fühle mich wie ein einsamen Mensch, der zum Lernen, Nachdenken und der Andacht gemacht ist“. Vater Cipriano fügt hinzu: „und zur Nächstenliebe“. Die Unternehmung seines Herzens war das „Brot der Armen“ in der Abtei San Procolo, eine Hilfsinstitution für die Bedürftigsten in jener Nachkriegszeit. Den Tag seines Tods stellte man Körbe von Brot um seinen Sarg. Die Armen beteten und weinten, aber die Politiker waren nicht da. „Der Größte unter euch muss den anderen dienen“.

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