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XXXIV Woche im Jahreskreis – Montag

Die Lehre der Witwe 

Er blickte auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Dabei sah er auch eine arme Witwe, die zwei kleine Münzen hineinwarf. Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss geopfert; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben. Lk 21,1-4

Im Evangelium nach Markus wird dieselbe Episode durch eine Ermahnung von Jesus über das Verhalten der Schriftgelehrten und der Pharisäer hervorgehoben: „Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben“ (Mk 12, 38-44). Sie sind die Schriftgelehrten von gestern und heute, die sich nur für die Äußerlichkeit sorgen, die sich zur Schau stellen und überall sind: In der Gesellschaft, im Fernsehen und in den Zeitungen. Sie haben immer, etwas zu sagen, zu schreiben, zu lehren und sie sind auch in den Werbespots immer da, und sie werden dazu gesucht, denn alle kennen sie. Sie sind diejenigen, denen wir auch eigentlich ähneln möchten, denn wir möchten als Hauptpersonen auf der Bühne des Lebens leben. Im Evangelium von heute finden wir diese arme Witwe, und zusammen mit ihr, ungesehen, gibt es viele Arme von heute: Sie sind nicht die Bettler mit immer zum Bitten hingestreckter Hand, aber die, die in einer würdevollen Armut leben, aber die Hand immer hingestreckt haben, um das Wenige zu geben, was sie haben. Sie tun das still, mit Demut, bewusst, dass sie wenig geben können. Sie sind die, die taktvoll wirken, die mit Einfachheit leben, die aber immer anwesend sind, wenn jemand sie braucht. Ich kenne eine Frau, eine echte Frau, deren Namen ich nicht sage, denn sie möchte es nicht, die seine Zeit gibt, indem sie zum Krankenhaus geht, um die Leute zu besuchen, die immer allein ist, und wenn sie sterben, bleibt sie mit ihnen, bis sie die Augen schließen. Sie sind die armen Witwen, die verborgen und fast mit Scham ihre Münzen in den Opferkasten werfen, und wir bemerken sie nur zufällig. Auch Jesus bemerkt die arme Witwe, nur wenn er mit seiner Lehre den Jüngern geendet hat, und er hat sich still gesetzt, sie fast zufällig zu beobachten. Vor dieser Szene fällt unser Morgengeben in den Schatten, und auch wir, wie Jesus, sollten Momente von Ruhe finden, um die Lehre zu begreifen, die von vielen armen Witwen heute uns kommen. Gib uns, Herr, mehr Einfachheit, mehr Ruhe, mehr Armut, mehr Großzügigkeit, mehr Liebe.

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