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XXIX Woche im Jahreskreis – Freitag

Das Gedächtnis und die Überwachung  

Außerdem sagte Jesus zu den Leuten: Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft ein. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil? Lk 12,54-57

Seitdem ich ein Kind war, wurde ich immer von der Fähigkeit der Bademeister beeindruckt, die Sonnenschirme zu zerlegen, bevor der Südwestwind sich erhebt, und noch mehr von der Fähigkeit der Bauer, die die Weinlese mit einer Woche vorziehen, falls der Regen kommt. „Wie können Sie sicher sein – fragte ich – dass das Wetter sich verändert?“. „Erfahrung, mein Knabe, Erfahrung“ antwortete sie meistens. Heutzutage ist es einfacher, das Wetter vorauszusehen, denn die Wetteraussichten sind ziemlich genau, aber damals war es gründlich, die Wetterzeichen lesen zu können, eine Fähigkeit, der man im Laufe der Jahre erwarb. Es war aber nicht nur Erfahrung, es war auch die Fähigkeit, das Gedächtnis und, vor allem, die Überwachung zu üben, um in der genauen Zeit die nahekommenden Veränderungen zu erkennen. Die Menge, und besonders die Pharisäer, werden heute des Mangels an Gedächtnis und Überwachung von Jesus beschuldigt: „Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?“ Johannes der Täufer, der überwachsam war, hatte seine Jünger geschickt, an Jesus zu fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?“ (Mt 11, 3). Die Antwort Jesu war klar gewesen: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen, wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören. Tote stehen auf“ (Mt 11, 4-5).

Jesus hatte durch die Tatsachen geantwortet, indem er gezeigt hatte, dass in ihm die Prophezeiungen des Alten Testaments erfüllt wurden: „Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt die Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf“ (Jes 35, 5-6). Das heißt, Jesus lädt Johannes ein, sein Gedächtnis zu üben, nachdem er seine Überwachung gepreist hat. Wir müssen auch überwachsam sein und gutes Gedächtnis haben, um unseren Glauben zu ernähren. Wir müssen uns an jedes Mal erinnern, wenn der Herr uns vor der Gefahren geschützt hat, uns mit der Vorsehung gesegnet hat, uns bei wichtigen Entscheidungen die richtigen Türen geöffnet und die Falschen geschlossen hat. Das Leben, wenn wir Jesus folgen, ist ein dauerndes Wunder; man braucht nur, sich daran zu gewöhnen, ihn zu erkennen und sein Gedächtnis zu üben.

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